Bischof Sproll Gedenkstätte

Bischöfliches Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart, in Rottenburg a.N.

© Diözesanmuseum Rottenburg 

    Fotos: Kai Loges

Geboren am 2. Oktober 1870 in Schweinhausen, und aus einfachen Verhältnissen stammend, wurde Joannes Baptista Sproll 1916 zum siebten römisch-katholischen Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart geweiht. Schon zu seinen Lebzeiten etablierte sich Sproll als ausgesprochener „Jugend-“ und Bekennerbschof“. Mit Mut und kritischen Veröffentlichungen widersetze er sich den Nationalsozialisten im Dritten Reich bis zu seiner Vertreibung aus Stadt und Diözese. Gezeichnet durch lange Jahre im Exil kehrte er 1945 nach Rottenburg a.N. zurück, wo er am 4. März 1949 starb. 

 

In Gedenken an Bischof Joannes Baptista Sproll gab es 2020 gleich zwei Jubiläen zu feiern: So jährte sich die Heimkehr Sprolls in seine Diözese zum 75. Mal, und genau 150 Jahre

war es am Freitag, 2. Oktober, her, dass der spätere Bischof in einfachen Verhältnissen, als Sohn eines Straßenwärters, in Schweinhausen zur Welt kam.

 

Die Gedenkstättewurde im Bereich des Palais-Südausgangs eingerichtet. Der Raum wurde gewählt, da es sich in Verbindung mit Bischof Sproll um einen historisch bedeutsamen Ort handelt. Während des Dritten Reiches erfolgte hier die Stürmung des Palais, wobei die Portalflügel stark beschädigt wurden.

 

Zielgruppen der Gedenkstätte:

  • Einzelbesucher, die die Gedenkstätte ohne Führung erschließen können
  • Gruppen wie Schulklassen, Reisegruppen, Interessierte aus Kirchengemeinden, die von einem Ausstellungsbegleiter anhand einer ausführlichen medialen Führung eingehend informiert werden.

 

Räumliche Situation:

Der für die Gedenkstätte gewählte Ort befindet sich in einem zweigeschossigen Treppenraum. Dieser ist tageslichtdurchflutet durch 6 Fenster in den drei Außenwänden und durch das Portaloberlicht. Er ist sowohl vom Foyer-Niveau aus über eine

L-förmig-zweiläufige Innentreppe absteigend als auch über

die Außentreppe von der Königstrasse/Eugen-Bolz-Platz aufsteigend erschlossen. Das erhaltene historische Geländer der Innentreppe wurde im Rahmen der Gebäudesanierung glatt und neutral ohne Dekor verkleidet. Die Wände weisen minimale Reliefierung durch Lisenen auf. Der Deckenanschluss ist mit einer Voute mit Profilierung versehen. Die Fenster sind nach historischem Vorbild gestaltet. Ein großer, moderner Kron-leuchter prägt den Raum und unterstreicht die bei der Sanierung des Bischöflichen Ordinariats erzielte Raumwirkung mit ihrer monochrom weißen Farbgebung. Die ungewöhnliche Proportion des Raumes entsteht durch die immense Raumhöhe bei geringer Grundfläche. Sie stellte die größte Herausforderung

bei der Gestaltung der Gedenkstätte dar.

 

Die Gestaltungskomponenten der Gedenkstätte:

Die Ausstellungsarchitektur der Gedenkstätte setzt an diesem Punkt an. Wie ist der ganze Raum miteinzubeziehen, wo doch nur ein begrenzter Bereich für die eigentliche Betrachtung von Objekten und Abbildungen und das Lesen von Texten in Frage kommt?

 

Um die geringe Grundfläche optimal zu nutzen, wird direkt vor den Raumwänden die größtmögliche Fläche für die Dokumentation des Lebensweges Sprolls im Detail verortet, in optimaler Betrachtungs- und Lesehöhe. In sechs Themen-bereichen wird anhand eines prägnanten Textes, einer gezielten Auswahl an historischen Abbildungen und der stimmigen Zuordnung der wenigen, aber eindrucksvollen dreidimensionalen Objekte der Lebensweg Sprolls eindrücklich nachgezeichnet. Über Kopfhöhe und in großer Schrift bieten Zitate Sprolls Orientierung für den jeweiligen Zeitabschnitt, kombiniert mit großen Portraits, die monochrom der Gesamtdarstellung unterlegt sind. Diese Darstellungsform wird gebildet durch wandhängende Didaktikträger mit integrierten Vitrinen. Durch die Wahl des partiell hinterleuchteten Glases als Trägermaterial macht sich diese detaillierte Darstellung unabhängig von der Beleuchtungssituation des Raumes, die auf Grund der reichen Befensterung je nach Tages- und Jahreszeit sehr wechselhaft ausfallen kann.

 

Die atmosphärische Mitte des Raumes wird durch zwei Elemente gebildet: Eine Stele ragt weit in die obere Hälfte des Raumes. Sie ist Träger des Namens und der Bildnisse des zu Gedenkenden. Sprolls Portraitfotos aus allen Phasen seines Lebens und Wirkens werden als Bildfolge auf einem hochformatig angeordneten Monitor zu sehen sein, wenn Einzelbesucher die Gedenkstätte selbständig erkunden.

Erhält eine Gruppe durch einen Ausstellungsbetreuer eine Führung, dient der Monitor als mediale Begleitung und zeigt

in Bildcollagen historische Fotos und  Abbildungen der in der Gedenkstätte gezeigten Originalobjekte, die auf diese Weise auch von einer 25-30 Personen gebildeten Besuchergruppe erfasst werden können.

Das zweite Element der atmosphärischen Mitte ist eine - die Stele und den zentralen Leuchter umgreifende - Rotunde, weit über Kopfhöhe verortet. Sie definiert den Raum, in dem sich die geführten Gruppen aufhalten und wirkt als verbindendes Element in dem ungewöhnlich proportionierten Raum.

Sie empfängt die Besucher, die die Gedenkstätte über die

L-förmige Innentreppe betreten mit dem berühmten Bild von Bischof Sproll auf dem Tragestuhl während seines triumphalen Einzugs in Rottenburg bei seiner Rückkehr aus dem Exil.

Das Bild ist auf das durchscheinende Metallgewebe gedruckt, das die Rotunde bildet, was der Darstellung eine große Leichtigkeit gibt und die durchgängige Wahrnehmung des Raumes mit ihren historischen Bauelementen ermöglicht. Die Innenseite der Rotunde trägt den Wahlspruch Sprolls, der den Namen auf der Stele flankiert.

Beide Elemente im Zusammenspiel ergeben eine erhabene Wirkung, die dem Ziel dient, einen würdevollen Rahmen für das Gedenken an Bischof Sproll zu schaffen. Auf der Rückseite der Stele ist auf einem Podest der Tragestuhl im Original zu sehen. Ihm gegenüber wird die chronologische Darstellung durch-schnitten von einer die gesamte Stirnwandbreite einnehmenden Didaktikeinheit mit Abbildungen der zahllosen Treue-bekenntnisse an Sproll während seiner Zeit im Exil.

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