Das Stilles Örtchen - Tabu und Reinlichkeit bey Hofe

Wanderausstellung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg
mit Stationen im Kloster Schussenried und Schloss Schwetzingen
2.4.2011 - 19.2.2012

Das Spannungsverhältnis zwischen dem Umgang mit der eigenen Notdurft und den gesellschaftlichen Konventionen ist ein Aspekt des höfischen Lebens, der bislang in Ausstellungen wenig Beachtung fand. „Das Stille Örtchen“ macht das Tabu zum Thema und bringt überraschende Fakten und sehenswerte Exponate ans Licht. Nie zuvor ausgestellte Objekte aus den Schlössern und Depots der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württembergs sowie Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen veranschaulichen die intimen Lebensgewohnheiten am Hofe.
Die Kulturgeschichte der Toilette in einer Ausstellung zu visualisieren ist ein spannendes Unterfangen. Die Balance zwischen Informations- und Unterhaltungswert auszutarieren gilt es ebenso wie einen angemessenen Ton zu finden, der den Gedanken an Peinlichkeit erst gar nicht aufkommen lässt.

Der Vorspann der Ausstellung widmet sich der Entwicklungsgeschichte der Toilette von der öffentlichen Latrine in Römischer Zeit bis zum WC, dem Water Closett, also den ersten Toiletten mit Wasserspülung. Die einzelnen Stationen zeigen zum einen die architektonische Situation, den Aborterker oder das prächtig als Löwenkopf ausgebildete Entlüftungselement in der Schlossfassade, zum anderen die technischen Details und die Nutzungsbedingungen, illustriert isehr unterhaltsam animierten Zeichnungen.

Alle darauf folgenden Ausstellungsbereiche haben Ihren zeitlichen Schwerpunkt im 18. und 19. Jahrhundert.

Neben dem eigentlichen Thema beleuchtete die Ausstellung auch die verschiedenen Aspekte der Körperhygiene bei Hofe im Wandel der Zeiten. Denn wer kennt nicht die berühmten Vorurteile, der Adel habe sich lieber parfümiert als sich zu waschen. Die Ausstellung räumte mit diesen Unterstellungen auf und zeigte die Vielfalt der Maßnahmen damaliger Zeit, einen gepflegten Körper zu erlangen.

Die Ausstellungsgestaltung schafft kleine Raumfragmente, collagiert aus einem Stück Tapete, einem Stück Parkettboden, zeittypischen Möbeln, ergänzt durch weitere Accessoieres als Rahmen für die Nachttöpfe und Boudalous, Kannen und Waschgefäße, Parfumflacons und Toilette-Gerät . Dies visualisiert, dass Einrichtungen für die Körperhygiene nicht in gesonderten Räumen sondern in den Wohn- und Schlafräumen der Schlösser aufgestellt und genutzt wurden. Die detailierte Betrachtung einzelner Objekte wird durch die Präsentation in mit Passepartous ausgestatteten Vitrinenausschnitten unterstützt.

Den Abschluss der Ausstellung bildet das Badezimmer, das König Wilhelm II. von Württemberg im Schloss von
Bebenhausen in den Jahren 1915/16 eingerichten ließ.
Es vereint verschiedene Möglichkeiten der Körperreinigung und -hygiene in einem separaten Sanitärraum, der nach den damals modernsten Grundsätzen konzipiert wurde. Es ist bis auf den heutigen Tag im Original erhalten und in der Ausstellung als Kugelkopf-Panoramaaufnahme zu erleben.

 

 

 

 

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© von Jacobs